„Nicht unlösbare Probleme importieren, sondern unsere Hilfe exportieren“

29.09.2019

Der ungarische Botschafter in Deutschland, Péter Györkös, hat in einem Interview des Nachrichtenmagazins „Focus“ zwischen der deutschen Öffentlichkeit und der von den Medien veröffentlichten Meinung unterschieden – letztere gebe ein falsches Bild von Ungarn wieder. Es gebe noch Verbesserungspotential dahingehend, daß die deutsche Medienkritik an Ungarn „auf Fakten“ basieren solle.

Insbesondere kritisierte der Botschafter die ZDF-Produktion über die Flüchtlingskrise 2015, die „abstruse Thesen“ über Ungarn verbreitet habe: „Etwa daß der ungarische Ministerpräsident die Armee auf Flüchtlinge schießen lassen wollte. Oder die Darstellung der Bösartigkeit der ungarischen Behörden, Regierung und der Ungarn im allgemeinen. Das hat mich sehr frustriert.“ Und: „Wie kann man allen Ernstes Budapest zum Ausgangspunkt eines Deutschland und Europa spaltenden Flüchtlingskonflikts machen, wenn die Stadt 1000 Kilometer von den Außengrenzen des Schengenraums entfernt ist? Die Menschen sind durch mehrere sichere Länder gereist, ohne sich registrieren zu lassen. Das ist eine systematische Verletzung der Genfer Konvention, des Schengener Grenzkodex und des Dublin-Abkommens.“

Ungarn erwarte sich den gleichen Respekt von Deutschland, den es Deutschland entgegenbringe. Unterschiedliche Standpunkte, gerade in der Migrationsfrage, dürften nicht dazu führen, „daß man eine so wunderbare Beziehung wie die deutsch-ungarische schlechtredet“, sagte Györkös.

Trotz vereinzelter Signale für eine Wiederannäherung gebe es grundsätzlich unterschiedliche Standpunkte zwischen Berlin und Budapest. Györkös: „Das europäische Verteilungssystem – das lehnen wir vehement ab.“ Und. „Ich sehe etwa, daß in Deutschland Kirchen und Städte sagen, sie wollen mehr Migranten aufnehmen. So etwas gibt es bei uns nicht.“ Das Migrationsproblem, das Hunderte Millionen Menschen betreffe, könne man „auf europäischem Boden nicht lösen“. Man solle „nicht unlösbare Probleme importieren, sondern unsere Hilfe exportieren“.